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Das wurde von allen Teilnehmern auf der Veranstaltung „Design für Alle“ im Rahmen der Mainzer Designtage propagiert. Es wird noch sehr viel geforscht und neue Produkte werden getestet. So hat sich auch der Interaction Designer Tom Bieling (Foto) vom Design Lab in Berlin einem größeren Unterfangen gewidmet: die Entwicklung eines Handschuhs, mit dem Taubblinde mittels des Lorm-Alphabets miteinander kommunizieren können. Beim Lorm-Alphabet berührt der „Sprechende“ die Handinnenfläche des „Lesenden“. Einzelnen Fingern sowie bestimmten Handpartien sind bestimmte Buchstaben zugeordnet. Die Innovation dabei ist, dass das „Gesagte“ in digitalen Text übersetzt wird, weil der Handschuh mit kleinen Sensoren versehen ist. So können die Taubblinden auch über große Distanzen miteinander reden – via E-Mail, SMS oder Sprachnachricht –, während sie bislang nur miteinander kommunizieren konnten, wenn sie sich gegenüber standen.
Dieses Produkt ermöglicht so einer Gruppe von Menschen problemlos mit dem digitalen Zeitalter Schritt zu halten und ihr soziales Netzwerk zu pflegen.
Mathias Knigge von „grauwert – Büro für Inklusion & demografiefeste Lösungen“ in Hamburg stellte in seinem Vortrag den Begriff „gebrauchsfreundlich“ in den Mittelpunkt. Denn defizitorientierte Produkte und Dienstleistungen werden von den Zielgruppen natürlich dankend angenommen, aber sie sollten nicht unbedingt als solche identifizierbar sein. Deshalb sollten solche Produkte und Services ansprechend gestaltet und positiv kommuniziert werden. Außerdem ist es für Unternehmen durchaus sinnvoller, wenn die neuen Produkte in die Range passen und bestenfalls vielfach, also auch von anderen genutzt werden können.
Ich fand eine kleine Maßnahme besonders charmant: selbsthaftende Braille-Folien (Blindenschrift) für Geräteblenden der Firma Miele. Zum Beispiel für Waschmaschinen. So können Blinde die Maschine ganz leicht bedienen.
Dieses Beispiel zeigt, wie einfach Lösungen manchmal sein können – ohne wieder ein neues Produkt für viel Geld, mit enormen Energieaufwand und hohem Ressourcenverbrauch zu produzieren und dieses entsprechend teuer zu verkaufen. us

www.descom.de

Und ich hätte nie gedacht, dass das auch nachhaltig geht! Die kleine Delegation des Umweltforums wurde an diesem Tag bei dem Besuch des Unternehmens in Heuchelheim bei Gießen eines Besseren belehrt. Das Familienunternehmen hat eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt, die eine werteorientierte Firmenphilosophie als Basis hat, innovative Produkte in einer eher konservativ denkenden Industriebranche auf den Markt bringt, die Beton- und Natursteine in seinen drei Produktionsstätten klimaneutral produziert und die Vision hat, den Lebenszyklus seiner Produkte so zu steuern, dass vom Rohstoff über die Herstellung bis zum Rücklauf alter Beläge und deren Wiederverwertung ein geschlossener Kreislauf entsteht.
Drei der spannendsten Entwicklungen fand ich den seit Mai 2016 in den Markt eingeführten Recycling-Betonstein Hydropor Siliton RC 40, der immerhin aus 40 % Recyclinggranulat besteht und trotzdem den Anforderungen eines Beton-Pflastersteins entspricht. D.h. genauso lang haltbar ist und gleichzeitig bei ebener Fläche garantiert, dass Regenwasser durch die Fugen zu 100 % ins Erdreich versickern kann. Bei den vermehrten Niederschlägen in unseren Breitengraden ist das ein ganz wichtiger Impuls, um zum einen den wachsenden Siedlungs- und Verkehrsflächen eine Alternative entgegenzusetzen und zum anderen auf die neuen Herausforderungen durch den Klimawandel zu reagieren.
Das zweite interessante Produktangebot sind die Bi-Color Stufen und Bodenindikatoren, sprich Bodenplatten mit Noppen. Diese werden bereits vielfach an Ampeln, Gehwegen oder auch auf Bahngleisen eingesetzt. Sie dienen dazu, dass Sehbehinderte, Blinde oder auch ältere Menschen, die nicht mehr so sicher auf den Beinen sind, durch die zweifarbigen Stufen die Hindernisse schneller sehen oder durch die Riffelung bzw. die Noppen im Stein auf die Gefahrenstellen rechtzeitig aufmerksam gemacht werden. Dadurch ist es älteren Menschen und Menschen mit Handicap möglich, sicherer am Alltagsleben teilzuhaben. Außerdem sind die Bodenmarkierungen in den Stein integriert und nicht aufgeklebt oder angemalt. Jene werden nämlich schnell abgelaufen oder bedeuten eine erhöhte Rutschgefahr bei Nässe.
Spannend fand ich auch die Tatsache, dass die Neubepflasterung der Zeil, Frankfurts Fußgängerzone, der Firma Rinn zu verdanken ist. Das Neue daran: die helle Oberfläche reflektiert die Sonne und reduziert die Aufwärmung der Innenstadt. Zudem sind diese Steine mit Teflon beschichtet, d.h. sie sind witterungsbeständiger und rückstandslos zu reinigen. Keine dunklen Flecken durch plattgetretene Kaugummis, die bei anderen Belägen zum Stadtbild dazugehören. Die Bepflasterung muss also nicht nach kürzerer Zeit erneuert werden.
Fazit: der Besuch bei Rinn war durchaus lohnenswert, weil es toll war zu sehen, wie ambitioniert ein Unternehmen in solch einer Branche sein kann, das in puncto Nachhaltigkeit noch Einiges aufzuholen hat. Nicht umsonst gehört Rinn beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2015 in der Kategorie „Deutschlands nachhaltigste mittelgroße Unternehmen“ zu den Top 3. us

www.rinn.net

Ich habe sogar gleich die DVD gekauft, um sie in meinem Bekannten- und Freundeskreis herumzureichen. Außerdem werde ich ihn mir mit Sicherheit noch mehrmals ansehen, so wie Sabine von Bebenburg, Geschäftsführerin von KulturRegion, die eingangs sagte, dass dieser Dokumentarfilm so dicht an Informationen ist, dass man ihn öfters anschauen muss, um alle Fakten aufnehmen zu können. Und das ist tatsächlich so. Es werden so viele Themen angesprochen, wie beispielsweise zusätzliche Zahlungsmittel und eigene Wirtschaftskreisläufe in dem englischen Städtchen Totnes oder der zweiten Währung „WIR“ in der Schweiz, Urban Farming im totgesagten Detroit in den USA, gelebte Permakultur in der Normandie als eine der produktivsten Alternativen zur industriellen Landwirtschaft oder eifrige Verfechter riesiger Kompostieranlagen in San Francisco.
Es werden so viele erstaunliche und erfolgreiche Projekte dieser kleinen französischen Gruppe von jungen, besorgten Eltern, darunter die Schauspielerin Mélanie Laurent und der Aktivist Cyril Dion vorgestellt, die Mut machen und die Zukunft unseres Planeten ein bißchen optimistischer zeichnen. Sie hatten sich auf den Weg gemacht und viele Länder bereist, nachdem sie in der Zeitschrift „Nature“ eine Studie gelesen hatten, die erklärte, dass spätestens in 40 Jahren unsere Zivilisation kollabiert.
Diese niederschmetternde Aussage bewegte die Gruppe so sehr, dass sie beschlossen, Menschen aufzusuchen, die anders denken und Projekte ins Leben gerufen haben, die das Potential haben, Vorbild alternativer Wege im Energiesektor, im Umweltschutz, in der Landwirtschaft, in der Wirtschaft und in der Bildung zu sein. us

www.tomorrow-derfilm.de

Die Runde mit der Umwelt- und Frauendezernentin Rosemarie Heilig, dem Wirtschaftsdezernenten Markus Frank, Dr. Immanuel Stieß vom Institut für Sozial-Ökologische Forschung, Silvio Zeizinger als Vertreter des Handelsverband Hessen-Süd e.V. und Marlene Haas als Veranstaltungs-Managerin der Firma Lust auf besser leben war eine Kooperations-Veranstaltung vom Umweltamt und dem Radiosender hr-info. Die Diskussion wurde von Petra Boberg von hr-info moderiert.
Der Impulsvortrag von Dr. Stieß eingangs machte deutlich, dass es noch nicht DIE Lösung für unseren Müllberg gibt. Dass er Mensch, Tier und Umwelt beeinflusst ist zwar offensichtlich, aber wo die Grenze angesetzt werden muss, dass Plastik nicht krank macht und die Umwelt nicht noch mehr belastet wird, dazu konnte die Wissenschaft bislang keine Aussage treffen. Kunststoff ist immer noch zu billig in der Herstellung und bietet zu viele Einsatzmöglichkeiten durch seine unterschiedlichen Eigenschaften. Zahlreiche Alternativen gibt es ja bereits, die auch recycelt werden können, aber sie können herkömmliches Plastik (noch) nicht 1:1 ersetzen.
So wurden an diesem Abend viele Wege diskutiert, überraschend emotional, so dass spürbar wurde, wie sehr das Thema die Gemüter bewegt. Seien es die Jutetasche, als steter Begleiter im Alltag oder das bewusste Einkaufen, mit dem Ziel, so wenig Plastikverpackung wie möglich über den Scanner ziehen zu lassen, gehören bei den meisten Besuchern dieser Veranstaltung zu den leichtesten Übungen. Interessant wird es allerdings dann, wenn es darum geht, wie man die große Masse zu einem Umdenken bewegt. Da hat sich das Publikum in zwei Lager gespalten. Die einen, die auf Aufklärung und Selbstverpflichtung setzen, so wie auch Herr Frank. Andere, die die einzige Chance darin sehen, unseren Planeten zu retten, indem Verbote seitens der Gesetzgebung ausgesprochen werden.
Marlene Haas ist der Meinung, dass nur ein gemeinsames Agieren von Handel und Verbrauchern zu einer Verhaltensänderung führen kann und sucht verstärkt das Gespräch in Bornheim. Das warf gleich die Frage auf, welchen Gestaltungsspielraum Kommune und Land haben.
Diese und andere Fragen blieben allerdings unbeantwortet. Wer muss in die Verantwortung gezogen werden? Welche konkreten Maßnahmen sind notwendig?
Das drängende Problem braucht Lösungen, doch ein gegenseitiges Vorwerfen von „nicht genug“ schafft keine Gesprächsgrundlage. Alle Akteure sollten sich an einen Tisch setzen – dazu gehört übrigens auch die Industrie –, um zusammen einen Ausweg zu finden. us

www.frankfurt-greencity.de

Eines davon nennt sich Black Forest Ginger und ist erst seit August 2016 auf dem Markt, aber schon in aller Munde. Zwei Produkte gibt es bislang: Ingwer-Limonade und alkoholfreies Ingwer Bier. Alles Bio und traditionell im Schwarzwald produziert. Aufgefallen ist mir der kleine Stand durch mit schwarzem Stoff abgehängten Wänden und ziemlich coolen Fotos: eine nett anzusehende Dame in typischer Schwarzwälder Tracht mit einer geschulterten goldenen Axt (s. Foto).
Bio geht also mittlerweile auch anders – auffallend anders!
Das wissen mittlerweile auch Ellen Heil vom bio verlag, ein Verlag, der u.a. Publikationen wie Schrot&Korn rausbringt, und der Kommunikationsberater Jürgen Michalzik. Sie haben die Ergebnisse einer Leserbefragung in Schrot&Korn vorgestellt. Das Ergebnis war eindeutig: Bio-Produkte werden in Anzeigen deutlich werblicher und mutiger beworben als vor einigen Jahren. Allerdings ist bei den Befragten auch ein klares „Ja“ zu Authentizität und Glaubwürdigkeit zu verzeichnen. Die kritischen Konsumenten wissen mittlerweile sehr wohl, wo „echte“ Werbung aufhört und herkömmliche Werbung anfängt.
Nicht mehr ganz so neu, aber trotzdem charmant und wieder aktuell in Zeiten plastikfreier Zonen: das Tütle aus dem Schwäbischen. Die klassische Papiertüte neu aufgelegt und dafür rundherum nachhaltig im kleinsten Detail. Sie ist komplett in Deutschland hergestellt, aus einem festen Spezialpapier mit 100 % Altpapier-Anteil, und ist somit nicht nur als Einkaufs-, sondern auch als Biomülltüte verwendbar. Sie wird mit lösungsmittelfreier und lebensmittelechter Farbe auf Wasserbasis bedruckt und ist damit kompostierbar. Zu guter letzt unterstützt das Unternehmen die Aufforstung naturnaher Wälder, indem es das Projekt Plant-for-the-Planet fördert.
Eine von den vielen bedruckten Tüten am Stand war eine mit Zweifachnutzen: Einkaufstüte für eine Shopping-Nacht im Stuttgarter Kaufhaus Gerber und Tagesticket für den ÖPNV inklusive.
Alles in allem war der Besuch die Reise wert, allein wegen der vielen jungen Ideen, die nicht bei „einfach nur bio“ aufhören. us

www.biofach.de

Der Workshop in Würzburg am Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC war hochinteressant, denn mit diesem Polymer hat das Institut unter Leitung von Frau Dr. Sabine Amberg-Schwab eine Lösung für Kunststoffverpackungen aller Art gefunden, die bislang Wasserdampf, Sauerstoff und Aromen durchgelassen haben. So besteht z.B. in der Lebensmittelindustrie nach wie vor das Problem, dass verpackte Lebensmittel in herkömmlicher Kunststofffolie zwar haltbar gemacht sind, aber diese Folie nicht biologisch abbaubar ist. Kompostierbare Folie gibt es schon, doch ist diese für verderbliche Nahrungsmittel nicht geeignet. Dank bioORMOCER®, einem Funktionslack, der auf den Kunststoff aufgetragen wird, bleibt die Verpackung biologisch abbaubar und lässt keine unerwünschten Stoffe passieren.
Einzelne Industrieunternehmen verwenden bereits bioORMOCER® in ihrer Produktion, es gilt nun dieses Potential für weitere Produkte auszubauen. Das Spannende an diesem Polymer ist, dass es für verschiedenste Gebiete anwendbar ist, so beispielsweise auch für den medizinischen Bereich in Form von Implantaten. Stents, die über einen begrenzten Zeitraum dazu dienen, dass verengte Gefäße offen gehalten werden, könnten durch einen bioabbaubaren Kunststoff vom Körper vollständig resorbiert werden. Ohne der oftmals auftretenden Nebenwirkungen wie Entzündungen oder Thrombosen. us

www.isc.fraunhofer.de

Franz Alt gehört zu den Vordenkern der Energiewende und ist Prof. Dr. Michael Braungart dankbar, dass er mit der Cradle to Cradle-Bewegung weiterdenkt. Am Freitag Abend an der Leuphana Universität in Lüneburg erklärte Braungart das Cradle to Cradle-Prinzip zum Lustprinzip. Braungarts Credo ist, den Menschen zu feiern und ihn nicht abzuschaffen, ihn nicht als Schädling zu betrachten, sondern als Nützling. Der Mensch produziert Abfall, der nicht die Umwelt belastet, sondern dieser als Nährstoff dient. So die Idee von Cradle to Cradle: eine Kreislaufwirtschaft, in der Abfall Nährstoffe sind, die die Grundlage für neues Wachstum bilden oder die Produktion neuer Produkte ermöglichen. Das ist seiner Meinung nach „echtes“ Recycling. Verschwendung, statt Verzicht, lautet immer wieder sein Programm.
Grundsätzlich ein gutes Motto, wenn alle Produkte nach Cradle to Cradle konzipiert wären. Noch sind wir weit davon entfernt. Und solange sich das Verhältnis nicht umgekehrt hat, sollten wir mit unseren Ressourcen immer noch schonend umgehen.
Es gab am Samstag inspirierende und weniger aussagekräftige Beiträge, aber ich habe von dem Kongress mitgenommen, dass es viele schlaue Köpfe gibt, die Braungart’s Vision mittragen, sei es in der Bauwirtschaft, in der Textilindustrie oder in der Energiewirtschaft. Und das mit konkreten Produkten, die bereits auf dem Markt existieren. Vordenker und Macher. Die es allerdings auch schon vor zwei, drei Jahrzehnten gab.
Damals wie heute liegt es an uns, den mühsamen Weg in eine „saubere“ Zukunft zu beschreiten. Und der Weg ist mühsam, weil es genügend Menschen gibt, die den Klimawandel in Frage stellen oder innovative Konzepte als zu kostspielig erachten. Überzeugungsarbeit ist das eine, Vorleben und sich nicht beirren lassen, ist das andere. us

http://c2c-ev.de/c2ck16